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Rassestandard und Arbeitseignung

Der bei der FCI hinterlegte Rassestandard kann auf vielen Seiten im Netz (u.a. www.drc.de) nachgelesen werden, deshalb verzichte ich hier darauf, ihn nochmals abzuschreiben. Worauf es mir in diesem Kapitel ankommt, ist etwas anderes: Der Rassestandard beschreibt neben dem Äußeren auch Wesen und Arbeitseigenschaften – diese rutschen leider oft in den Bereich des „Kleingedruckten“ oder geraten ganz in Vergessenheit. In vielen FCI-Ländern ist es neben minimalen Anforderungen an die Gesundheit (HD-Ergebnis und aktuelle Augenuntersuchung) lediglich erforderlich, eine Art Formwert – oft eine Beurteilung des Exterieurs auf einer Ausstellung – zur Zuchtzulassung vorzulegen. Ist dies genug?
Wird man damit dem Toller als Allroundtalent wirklich gerecht? Meines Erachtens ist dies zu kurz gesprungen, warum finden sich sonst im Rassestandard Passagen wie:


Der Lockhund rennt, springt und spielt entlang des Strandes und kann dabei von einer Entenschar uneingeschränkt beobachtet werden. Manchmal verschwindet er dabei aus der Sicht, um schnell wieder zu erscheinen. Hierbei wird er von dem Jäger aus dessen Versteck unterstützt, der dem Hund kleine Stöcke oder Bälle zuwirft. Diese spielerische Aktion erweckt die Neugier der Enten, die in einiger Entfernung von der Küste schwimmen; sie werden somit in die Reichweite der Flintengeschosse gelockt. Der Toller wird dann zum Apportieren der toten oder angeschossenen Vögel geschickt.

(…) Der Nova-Scotia-Duck-Tolling-Retriever wurde zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in Neuschottland erzüchtet, um Wasserwild anzulocken (oder zu ködern) und es zu apportieren.

(…) Der Toller ist sehr intelligent, sehr gelehrig und hat große Ausdauer. Als starker und befähigter Schwimmer ist er ein talentierter und verlässlicher Apportierer zu Wasser und zu Land, jederzeit bereit, schwungvoll zu agieren, sobald auch nur das geringste Anzeichen zur Notwendigkeit des Apportierens gegeben ist. Sein ausgeprägter Apportiersinn und sein Spieltrieb sind die unentbehrlichen Grundlagen für seine Lockfähigkeit.

(…) Der Toller wurde gezüchtet, um aus eisigen Gewässern zu apportieren.



Ein guter und talentierter Arbeitshund muss neben einem gewissen Trainingsstand und einer guten Gesundheit zusätzlich über stabile Wesenseigenschaften verfügen, wie sonst könnte er im Einsatz – mit teilweise über 100 anderen an Wettkämpfen oder Jagden teilnehmenden Hunden – über Tage hinweg Ruhe, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit bewahren, in den Pausen relaxen und nebenher noch als angenehmer Zeitgenosse auffallen?
Wenn er dabei noch aussieht wie der Standard ihn beschreibt – Ja, dann haben wir ihn: Den Toller, so wie wir ihn lieben und schätzen gelernt haben.
Unseres Erachtens gehört es unbedingt dazu, den Toller als Ganzes zu betrachten und ihn nicht „nur“ auf (messbare) gesundheitliche Ergebnisse und sein Äußeres zu reduzieren. Neben diesen zweifelsfrei wichtigen Dingen ist es eben auch erforderlich, in der Zucht auf Wesen und ursprüngliche Arbeitseigenschaften zu selektieren.
Aber auch im ‚nur Ausstellungsbereich' gilt es einiges mit Skepsis zu betrachten. Nicht nur, dass einige Züchter von Ausstellung zu Ausstellung tingeln und ansonsten wenig bis gar nichts mit ihren Tollern machen.
Nein, auch findet m.E. immer öfter eine Überinterpretation des Rassestandard statt, dabei ergibt sich die Neigung zur Übertreibung aus der Geschichte. In früheren Zeiten war das Zuchtziel die Arbeitseignung und als Folge davon die Leistung!
Dann begann die Rassehundezucht und damit wurde der Formwert zum Zuchtziel.
Rassestandards wurden aufgestellt, erreicht und über sie hinaus gezüchtet.
Bisher wurde dabei immer eine Verbesserung des Formwertes angestrebt, dies wurde erreicht und in der Folge davon Standardüberinterpretationen - mit tlw. Gefahren für Gesundheit und Wohlbefinden - herbeige"züchtet".
Wenn im Standard steht:
mittelgroßer … und gut bemuskelter Hund - so ist dies nicht gleichzusetzen mit fetter Hund,
kompakt bedeutet nicht wuchtiger Körper und kurze Beine!
Es sollte jeder Züchter sich vor Augen führen, dass eine weitere Überinterpretation des Exterieurs in eine ‚ungesunde' Richtung führen kann - andere Rassen haben es uns vorgemacht.